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Zürcher Oberländer / Anzeiger von Uster, 9. Mai 2003
Die Frage nach dem erfüllten Leben
Theaterfestival „Hope & Glory“: Doppelte Selbstdarstellung und Selbstdarstellung und Selbstzweifel in „Rosengarten“ und „Salome“
Aller Anfang ist schwer - auch im Theater. Schwierig ist hier weniger der Schritt von Hospitanzen und Assistenzen zu eigenen Projekten als t Publikum
und Subventionen. Zum sechsten Mal betreiben das Theater Neumarkt und das Theaterhaus Gessnerallee mit «Hope & Glory» ihr Nachwuchsförderungsprojekt, das genau hier ansetzt. «Rosengarten» und «Salome
- Die Fashionshow» werden hier vorgestellt.
Unter den Dächern und mit praktischer Unterstützung der beiden Theater können junge Theatermacher und -gruppen ihre Ideen erproben. In 11 Tagen
des «Festivals der jungen Talente- werden dieses Jahr - neben Lesungen im «Club der jungen Dichter - sieben Produktionen realisiert (drei kleinere Projekte, vier Inszenierungen).
Frage nach erfülltem Leben: Zwei davon wenden sich ähnlichen Fragstellungen zu - allerdings in diametral entgegengesetztem inhaltlichem und stilistischem
Zugriff. Sowohl „Rosengarten“ der freien Gruppe -Schöpfwerk- wie „Salome“ - Die Fashionshow von Meret Hottinger und Barbara Maurer stellen im Kern die ewigen Fragen nach einem erfüllten Leben neu.
Katastrophenstrategien in "Rosengarten"
„Schöpfwerk“, bisher vor allem in Berlin tätig, nennen ihren Rosengarten ein "Work in Progress"-Projekt. Auf Blumenkistchen wird das
Publikum an den Wänden der Neumarkt-Dependance in der Chorgasse platziert, hermetisch verschlossen erscheint der enge (und zunehmend heiße) Raum (Jan Schroeder). Die Katastrophen der Welt bleiben als
Zeitungsschlagzeilen so fern wie austauschbar. Mit ihren individuellen Überlebensstrate-, Ideolo-, oder sonstigen -gien leben fünf Menschen ganz gut.
Doch hinaus können sie nicht, sie bleiben in ihrem Rosengarten gefangen. Und unweigerlich geraten sie darum aneinander. Die Überzeugungen wirken plötzlich
nicht mehr so überzeugend, man beginnt von andern zu übernehmen. Doch die Ideologie des Nachbarn schwankt wie die eigene - dann doch lieber wieder zurück. Doch die alte Sicherheit ist weg - der Rosengarten wird
vom Schutzraum zum Gefängnis und „irgendwie nackt, oder?“ bleiben die fünf zurück.
In 70 Minuten führt Regisseur Rogier Hardeman durch diesen menschlichen Versuch. Wirkt die Vorstellung der fünf Überzeugungen noch etwas
aufzählungshaft und nicht alle Szenen gleich gut eingebunden, entsteht im Mittelteil zeitweise ein beklemmendes Gefühl des (Mit -) Eingeschlossenseins. Die ideologische Frage, wie sich nun überleben lässt,
bleibt offen.
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Alttestamentarische "Fin de siecle"- Monstermodeschau
Alles, aber auch nichts ist offen bei Salome - Die Fashionshow in der Gessnerallee. Gleich mehrfach gebrochen präsentieren Meret Hottinger und Barbara Maurer (bekannt
von "400asa") ihr "Cat-walk-Projekt nach Oscar Wilde“. Unbekümmert, frech und frisch stürzen sie sich ins Abenteuer Salome.
Da ist zuerst der Rahmen einer Modeschau (anstelle Salomes wird am Schluss in einem letzten Coup der Designer abgeknallt). Naht- und übergangslos
hineingewirkt ist Wildes sexuell aufgeladenes Salome-Drama (inklusive Richard Strauss' Salome-Musik). Mehrmals treten die Akteure scheinbar aus dem Rahmen aller Fiktionsebenen, die dann auch noch zunehmend
vergagt und überdreht daherkommen. Todernst wird radikal alles ironisiert. Bei zu vielen Brechungen bleiben am Schluss nur Bruchstücke. Hottinger/Maurers Inszenierung kommt daher wie ein manchmal
surreal-vergnügliches, manchmal abgedroschenes IdeenPotpourri. Inhaltlich bleibt über dem Spektakel kaum etwas haften.
Da ist noch mehr „Hope“ als "Glory", und für «Hope & Glory" ist das auch gut so.
Tobias Gerosa
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