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Rosengarten

Tagesanzeiger vom 08. Mai 2003

Züricher Oberländer/ Anzeiger von Uster, 09. Mai 2003

 

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Tagesanzeiger vom 08. Mai 2003

 

Sag mir, wo die Blumen sind

Der «Rosengarten» der in Berlin beheimateten Theatergruppe «Schöpfwerk» ist eine stachelige Angelegenheit, aber dennoch, nicht ohne Reiz.

Von Charlotte Staehelin

Die Dependance des Neumarkttheaters an der Chorgasse hat auch schon einladender gewirkt. Weniger grau, eng und dumpf. Während des Festivals Hope & Glory hockt die Paranoia zwischen den blinden Fens­terrahmen an Wänden und Decke. Die Klaustro­phobie macht es sich hin­ter verschlossenen Türen gemütlich, und an der Seite der gallig-gelben Neonröhren wartet die Panik gelassen auf die nächste Gelegenheit zur Attacke.

Der den Theaterabend übertitelnde «Rosengar­ten» zieht in Form von umgekippten Blumenkästen, auf denen das Publikum zu überdauern sucht, eine letzte zynische Fratze. Dann schließt sich die Eingangstür, und fortan gibt es kein Entrinnen mehr. Unter den Händen des Regisseurs Rogier Hardeman und der Dra­maturgin Suzanne Jaeschke wird Jan Schroeders Bühne wechselweise zum Er­lebniscamp, zum Gefängnis und zum Schutzraum für eine Gruppe junger Men­schen, die das Überleben in einer Notsi­tuation erprobt, rettende Strohhalme auf ihre Krisenfestigkeit testet.

«Be wild, be a star» heißt die Maxime, die ein androgyner Goldjunge mit viel Lust umsetzt.

Während Matthias Dusesoi als hochge­rüsteter Bergfex Körperbeherrschung und Selbstkontrolle zelebriert und ausschließ­lich den eigenen Puls fühlt hat sich An­dreas Stadler einer missionarisch getränk­ten Nächstenliebe verschrieben.

Mit autogenem Training und Ratgeber­weisheiten versucht die schnittige Ilka Teichmüller flachem Atem und Nervosität beizukommen. Mariel Supka, «die Mörde­rin mit dem Puppengesicht», setzt auf Misstrauen und (Geschlechter-) Kampf.

Die Wurzeln des «Ro­sengarten» reichen in den Herbst 2001 zurück. Die Arbeit wird in regelmäßi­gen Workshops vom «Schöpfwerk»-Ensemble mit seinem holländisch­-deutsch-schweizerischen Einschlag gedüngt und umgegraben. Bei jeder Aufführung treibt sie neue Blüten.

Der Werkstattcharak­ter des Projektes ist deutlich erkennbar. Rollenspiele, technische Übungen, Experimente mit Licht und Rhythmus und die Kunst der Improvisation ziehen feine Spu­ren. Sie rauen den Abend auf, machen ihn sperrig und, besonders zu Beginn, unge­lenk. Dennoch betört die konsequente Su­che nach (theater-)tauglichen Ausdrucks­mitteln. Das Ringen der Figuren um Hal­tung und Fassung geht unmittelbar an die Nieren.

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Zürcher Oberländer / Anzeiger von Uster, 9. Mai 2003

 

Die Frage nach dem erfüllten Leben

 

Theaterfestival „Hope & Glory“: Doppelte Selbstdarstellung und Selbstdarstellung und Selbstzweifel in „Rosengarten“ und „Salome“

 Aller Anfang ist schwer - auch im Theater. Schwierig ist hier weniger der Schritt von Hospitanzen und Assistenzen zu eigenen Projekten als Publikum und Subven­tionen. Zum sechsten Mal betrei­ben das Theater Neumarkt und das Theaterhaus Gessnerallee mit «Hope & Glory» ihr Nachwuchs­förderungsprojekt, das genau hier ansetzt. «Rosengarten» und «Sa­lome - Die Fashionshow» werden hier vorgestellt.

 Unter den Dächern und mit praktischer Unterstützung der beiden Theater kön­nen junge Theatermacher und -gruppen ihre Ideen erproben. In 11 Tagen des «Festivals der jungen Talente- werden dieses Jahr - neben Lesungen im «Club der jungen Dichter - sieben Produktio­nen realisiert (drei kleinere Projekte, vier Inszenierungen).

Frage nach erfülltem Leben: Zwei davon wenden sich ähnlichen Fragstellungen zu - allerdings in diame­tral entgegengesetztem inhaltlichem und stilistischem Zugriff. Sowohl „Rosengar­ten“ der freien Gruppe -Schöpfwerk- wie „Salome“ - Die Fashionshow von Meret Hottinger und Barbara Maurer stellen im Kern die ewigen Fragen nach einem er­füllten Leben neu.

Katastrophenstrategien in "Rosengarten"

„Schöpfwerk“, bisher vor allem in Ber­lin tätig, nennen ihren Rosengarten ein "Work in Progress"-Projekt. Auf Blumen­kistchen wird das Publikum an den Wän­den der Neumarkt-Dependance in der Chorgasse platziert, hermetisch ver­schlossen erscheint der enge (und zuneh­mend heiße) Raum (Jan Schroeder). Die Katastrophen der Welt bleiben als Zei­tungsschlagzeilen so fern wie austausch­bar. Mit ihren individuellen Überlebens­strate-, Ideolo-, oder sonstigen -gien le­ben fünf Menschen ganz gut.

Doch hinaus können sie nicht, sie bleiben in ihrem Rosengarten gefangen. Und unweigerlich geraten sie darum an­einander. Die Überzeugungen wirken plötzlich nicht mehr so überzeugend, man beginnt von andern zu überneh­men. Doch die Ideologie des Nachbarn schwankt wie die eigene - dann doch lie­ber wieder zurück. Doch die alte Sicher­heit ist weg - der Rosengarten wird vom Schutzraum zum Gefängnis und „ir­gendwie nackt, oder?“ bleiben die fünf zurück.

In 70 Minuten führt Regisseur Rogier Hardeman durch diesen menschlichen Versuch. Wirkt die Vorstellung der fünf Überzeugungen noch etwas aufzählungs­haft und nicht alle Szenen gleich gut ein­gebunden, entsteht im Mittelteil zeit­weise ein beklemmendes Gefühl des (Mit -) Eingeschlossenseins. Die ideologi­sche Frage, wie sich nun überleben lässt, bleibt offen.

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 Alttestamentarische "Fin de siecle"- Monstermodeschau

Alles, aber auch nichts ist offen bei Salome - Die Fashionshow in der Gessner­allee. Gleich mehrfach gebrochen prä­sentieren Meret Hottinger und Barbara Maurer (bekannt von "400asa") ihr "Cat-walk-Projekt nach Oscar Wilde“. Un­bekümmert, frech und frisch stürzen sie sich ins Abenteuer Salome.

Da ist zuerst der Rahmen einer Mode­schau (anstelle Salomes wird am Schluss in einem letzten Coup der Designer ab­geknallt). Naht- und übergangslos hin­eingewirkt ist Wildes sexuell aufgela­denes Salome-Drama (inklusive Richard Strauss' Salome-Musik). Mehrmals tre­ten die Akteure scheinbar aus dem Rah­men aller Fiktionsebenen, die dann auch noch zunehmend vergagt und überdreht daherkommen. Todernst wird radikal al­les ironisiert. Bei zu vielen Brechungen bleiben am Schluss nur Bruchstücke. Hottinger/Maurers Inszenierung kommt daher wie ein manchmal surreal-vergnüg­liches, manchmal abgedroschenes Ideen­Potpourri. Inhaltlich bleibt über dem Spektakel kaum etwas haften.

 Da ist noch mehr „Hope“ als "Glory", und für «Hope & Glory" ist das auch gut so. 

 Tobias Gerosa

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