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Hintergründe

zu Rosengarten

Thematik

 Ã„ngste haben wir alle. Aber vor was oder vor wem? Sind es die allgegenwärtigen ‚großen’ Bedrohungen wie Terror, Krieg und Naturkatastrophen, mit denen wir täglich medial konfrontiert werden?  Oder kämpfen wir im Alltag nicht eher gegen Ängste anderer Art an? Versagensangst angesichts zunehmenden Leistungsdruck? Verlustangst angesichts der vielfältigen Versprechungen eines Lebens in einer Wohlstandsgesellschaft? Es gibt eine zunehmende Spannung zwischen immer höheren finanziellen und emotionalen Ansprüchen an das so genannte „machbare“ Leben einerseits und der fehlenden Garantie für ein glückliches Dasein andererseits.

 Die Kunst des Leben scheint darin zu bestehen, den Spagat zwischen den hohen Sicherheits- und Glücksansprüchen und den hohen Verlustängsten zu schaffen. Dabei ist es wie bei einem Spiel: Am Ende gibt es Gewinner und Verlierer. Manchmal hat der fröhliche Optimismus gesiegt, manchmal die lähmende Angst. Aber wie lange macht dieses existenzielle Spiel Spaß? Wann kippt die Stimmung? Und was macht man dann?

  

Arbeitsweise

 Wie verhältst du dich, damit niemand merkt, dass du Angst hast?

 Mit dieser Frage setzt sich das Projekt auseinander. Die Arbeit gestaltet sich auf zwei Ebenen. Auf der inhaltlichen Ebene wird anhand der oben skizzierten szenischen Situations- und Rollenvorgaben nach konkreten persönlichen Erfahrungen, Erinnerungen, aber auch nach individuellen Wunsch- oder Albträume gesucht. Diese fungieren als Basis für die Entwicklung von dramatischen Segmente.

Auf der formalen Ebene wird nach einer geeigneten Form für jedes dieser Segmente gesucht. Im Mittelpunkt steht dabei die gegenseitige und die Selbstbeobachtung und die Umsetzung dieser Beobachtungen in eine gemeinsame theatralische Sprache.

 Die Arbeit hat bereits zahlreiche Fragen aufgeworfen, u.a.: Wie kann man Sprache in Szene setzen, um sie an Bedeutung gewinnen zu lassen? Wie kann man mit dem Körper erzählen? Wie lässt sich z. B. Unverletztbarkeit oder Panik körperlich ausdrücken? Ist es möglich, Musik einzusetzen ohne dass sie die Szene emotional dominiert? Wie verhält sich das Spiel des Einzelnen zu dem des Kollektivs?Kann es so etwas wie eine Privatsphäre der Darstellerinnen und Darsteller auf der Bühne geben? Wie wichtig ist die Gestaltung des Raumes: Soll der Raum eine eher realistische oder doch abstrakte Rolle im Spiel zwischen Bedrohung, Angst und Sicherheit übernehmen? Inwieweit braucht diese Performance einen konventionellen roten Faden in Form einer durchgängigen Narration?

Aus den herausgearbeiteten szenischen Fragmenten soll im letzten Arbeitsschritt eine musikalisch-anmutende Komposition zusammengestellt werden. Diese Montage-Performance wird bei jeder Zwischenpräsentation zwangsläufig anders sein, da sich das Projekt fortwährend weiterentwickelt.

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Teilbereiche

Die Texte werden von Regisseur Rogier Hardeman und der Dramaturgin Suzanne Jaeschke geschrieben (Mitarbeit: Esther Gerritsen und Andreas Sauter). Es handelt sich dabei vor allem um Monologe, die assoziativ mit dem Thema Angstbewältigung umgehen. Zudem gibt es eine Reihe von Dialogen, die das Scheitern von zwischenmenschlichen Annäherungsversuche zeigen; aber auch Sprachchöre, bei denen aus einzelnen Rollen plötzlich ein harmonisches Kollektiv entsteht. Die Texte dienen als Ausgangspunkt und Material für die Proben. Es ist möglich, dass manche Texte in die Endfassung der Performance eingehen; bei anderen bleiben vielleicht nur einzelne Sätze übrig. Andere Sequenzen werden zuletzt die Sprache womöglich gar nicht mehr nötig haben, sondern sie vollständig durch Bewegungen oder Musik ersetzen.

Die Arbeit der Choreografin Annalisa Derossi besteht in erster Linie darin, den Schauspielern ihre ganz persönliche Körpersprache bewusst zu machen. Es werden keine tänzerischen Qualitäten verlangt; es findet auch keine Einstudierung einer vorgegebenen Choreographie statt. Herausgearbeitet werden soll statt dessen die körperliche Eigenheit des Darstellers. Inhalt und Rhythmus der kurzen Textfragmente werden dabei zum Ausgangspunkt für Bewegungsimprovisationen genommen. Ziel ist die Entwicklung einer Körpersprache, die das gesprochene Wort unterstützt, ohne es visuell zu verdoppeln oder zu illustrieren. TOP

Hardi Barnewolds musikalische Kompositionen fungieren einerseits als ein konstituierendes Elementder einzelnen Szenen, zum anderen dient die Musik auch als ein verbindendes Element der gesamten Bühnenperformance. Die Musik wird aus Klangcollagen und Liveperformances bestehen. Die Klangcollagen umfassen atmosphärische Ein- und Zuspielungen, die sowohl monumental als auch naiv melodiös, sowohl instrumental als auch geräuschhaft sein können. Auch die musikalische Liveperformance wird unterschiedliche akustische Stilmittel aufgreifen. Es entstand z.B. die Idee von zahlreichen ‚objects trouvées’ auf der Bühne, die von den Darstellern als Klangquellen ins Spiel integriert werden. Daneben sind auch musikalische Rituale und rhythmische Sprachchöre geplant, die an die altgriechische Tragödientradition anknüpfen.TOP

Der Raum soll eher ein Arbeitsraum denn ein realistischer Bühnenraum sein. Der Titel des Projekts ROSENGARTEN verweist sowohl auf den Namen unseres (sehr prosaischen!) Berliner Probenraums als auch auf einen imaginär-idyllischen, ja beinahe utopischen Traumort. Visuell wird der Rosengarten auf der Bühne aber nicht umgesetzt. Viel mehr wird, mit Hilfe von realistischen Elementen, nach eine Art von Abstrahierung gesucht, die es möglich macht sowohl Innenräume als auch Außenräume zu kreieren. Als Konzept stellen wir uns einen zweigeteilten Raum vor in dem die Einzelnen sich von der Gruppe trennen können, bzw. die Gruppe sich spalten kann. Während der Probenarbeit wird viel mit Requisiten experimentiert. Aus dem Umgang mit diesen Gegenständen und den Ergebnissen der Improvisationen heraus, entwickelt Bühnenbildner Jan Schroeder schlussendlich das eigentliche Bühnenbild.

Ähnlich wie die Bühne sollen sich auch die Kostüme während des Probenprozesses mitentwickeln. Kostümbildnerin Anna Stolze hat eine Auswahl an Probenkostümen bereitgestellt, mit denen das Team experimentieren kann. Ausgehend von erkennbaren, realistischen Kostümteilen wird gesucht nach Kombinationen die auf dem zweiten Blick unwirklich, vielleicht sogar futuristisch wirken (Science Fashion). Vor allem aber werden Kleidungstücke auf ihre schützende Funktion untersucht und in der Hinsicht (genetisch?) manipuliert.

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