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HintergrĂĽnde

Hausfrau

© aller Hausfrau- Bilder: Matthias Heyde

Unsere Heldin hat sich ihre sichere Umgebung geschaffen; umringt von Haushaltsgeräten und Fernseher kann sie sich jedem Trieb oder Trip ungestraft hingeben. Jegliche soziale und gesellschaftliche Verantwortung hat sie abgegeben an ihren Mann. So hat sie sich geschützt vor Leistungsdruck, Enttäuschung und Bewertung. Doch damit hat sie ihren Menschen abgelegt und ist zur Haus-Frau geworden.

Wunschtraum oder Alptraum? Im Laufe des Stückes werden allmählich Risse sichtbar in diesem Dauerzustand der Zufriedenheit. Die weibliche Ikone der Aufopferung und der selbstgewählten Unterwerfung will sich rächen an der männlichen Ikone der Vernunft. Lethargie macht Hass, Wut und Aggression Platz. Die Hausfrau wird selbst zum Macho, zum Cowboy.

Das StĂĽck ist eine Auseinandersetzung mit allgegenwärtigen Themen wie Erfolg, GlĂĽck, Machbarkeit und Selbsterfahrung einerseits und eher traditionellen ‚weiblichen’  Werten wie Aufopferung und Erduldung anderseits. Esther Gerritsen zerlegt ebenso präzise wie böse die immer noch geltenden männlich und weiblich besetzten Verhaltensmuster, ohne jedoch in Schuldzuweisungen oder Bewertungen zu verfallen. Sie hält uns teuflisch verfĂĽhrend einen Spiegel vor in dem wir uns erkennen in Klischees, von denen wir dachten, dass wir sie schon weit hinter uns gelassen hatten.

-die Autorin-

Esther Gerritsen ist die im Moment erfolgreichste Theaterautorin der Niederlande. Sie schreibt sowohl Theatertexte wie auch Prosa, lebt und arbeitet in Amsterdam.

Ihre Jugendtheaterstücke ‚Gras’ und ‚Alles (Planet Alles)’ wurden für das holländische Theatertreffen 1999 bzw 2002 ausgewählt. Für ‚Hausfrau’ bekam sie 2001 das Charlotte-Köhler-Stipendium als ‚beste holländische Nachwuchs-TheaterautorIn’.

Ihr ProsadebĂĽt hatte sie 1999 mit Bevoorrecht bewustzijn (Kurzgeschichten; Verlag De Geus, Breda). Oktober 2002 erscheint ihr erster Roman Tussen Een Persoon (Zwischen einer Person).

-die Inszenierung-

Ähnlich wie bei den beiden vorherigen Theatertexten, die SCHÖPFWERK auf die Bühne brachte, handelt es sich bei ‚Hausfrau’ nicht um eine linear erzählte Geschichte. In neun sehr unterschiedlich stilisierten Segmenten wird immer wieder ein anderer Blick auf die Heldin und ihr Schicksal geworfen. Die Perspektive des Erzählers und der Stil der Sprache ändern sich mehrmals, wie in einer Versuchsanordnung.

Die Musikalität der Sprache, die sich erschließt aus dem zwingenden Rhythmus der sich abwechselnden lyrischen und prosa-ähnlichen Textfragmente, lädt zu einer musikalischen Inszenierung ein.

Der junge niederländische Komponist Fred Kallemein wird dazu eine Sprach- und Musik-Partitur entwickeln. Das Universum der Hausfrau wird durch eine musikalische Kulisse an eigener Atmosphäre gewinnen. Diese wird aufgebaut aus instrumentalen Tönen sowie den Tönen des Hauses mit seinen vielen multifunktionalen Haushaltsgeräten und seinem ständig laufenden Fernseher. Angedacht sind Instrumente wie Geige und Klarinette, die nicht nur zärtlich melodisch sondern durchaus auch nervös klingen können.

Anhand dieser musikalischen Partitur wird die Sängerin und Schauspielerin Frederike Haas durch das Stück führen.

Der Raum in dem sie sich befindet ist Goldpalast und Gefängnis zugleich. Es ist ihr Universum, alles ist nur da um sie zu befriedigen. Die Schauspielerin wird dermaĂźen eingebettet in ‚Feel-good’- Farben und Texturen,dass sie bald daran ersticken könnte. 

Der künstlerische Ansatz der ‚Hausfrau’-Inszenierung wird auch in den beiden nächsten größeren Ensemble-Projekten wieder aufgegriffen, die SCHÖPFWERK für 2003 plant: die Montageperformance ‚ROSENGARTEN’ und das 2000 mit dem Kleistpreis ausgezeichnete Stück ‚A. ist eine Andere’ von Andreas Sauter und Bernhard Studlar. (Für diese Projekte wird finanzielle Unterstützung beim Züricher Nachwuchsfestival ‚Hope & Glory’ bzw beim Hauptstadtkulturfonds beantragt.)

Es liegt noch keine Ăśbersetzung des StĂĽckes vor. Als Anlage zu diesem Antrag ist eine Probe-Ăśbersetzung einiger Fragmente des StĂĽckes von Evke Rulffes beigefĂĽgt.

AuffĂĽhrungsort des Monologs wird das Foyer der Sophiensaele sein.

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